Es gibt die unterschiedlichsten Perspektiven auf Change Management. Hier ist eine, die mit einer einfachen Unterscheidung arbeitet.
1. Krise (Schock)
2. Anpassung (Evolution)
3. Antizipation (Strategischer Prozess)
1. Krise (oder Schock)
Wie befassen wir uns als Individuen mit einer Krise? In der Regel wollen wir sie bewältigen. Wir nutzen alle Energie, die wir haben, um aus dieser Situation wieder herauszukommen. In Schocksituationen gibt es aber auch Lähmung oder das Leugnen der Sachlage.
Ähnlich sieht das in Unternehmen aus, die in Krisen geraten. Denn auch Organisationen kennen in Schocksituationen Lähmung und das Leugnen der Notwendigkeit einer tiefgreifenden Veränderung, ohne die Ursachen anzugehen. Wir ändern etwa die Struktur der Organisation. Oder wir ändern das Berichtswesen. Aber in einer wirklichen Krise ist das fast so, wie die Sitzordnung auf der Titanic zu ändern.
Kotters Empfehlung für einen ersten Schritt in der wirklichen Bewältigung von Wandel heißt seit je: „Create a sense of Urgency“. Eine Krise oder ein Schock ist manchmal der einzige Weg, um Dringlichkeit zu erzeugen. Manchmal ist Dringlichkeit tatsächlich notwendig, damit Menschen oder Organisationen überhaupt aufwachen. Ist der Schock jedoch zu heftig, erreicht man das genaue Gegenteil, nämlich Lähmung.
2. Anpassung (Evolution)
Wir beobachten unsere Umwelt und sehen Trends und Moden. Bewusst oder auch durch äußeren Druck passen wir uns an diese Entwicklungen an. Einer der häufigsten Auslöser für Change in Zeiten der Globalisierung: Einfach das machen, was die anderen auch machen. – Denn: Was wären die Kosten, wenn man die Entwicklung verpasste? Welche Chancen könnten einem entgehen?
Eine häufig erzählte Parabel: Wenn man einen Frosch in einen Topf mit heißem Wasser wirft (=Schock), dann springt unser grüner Geselle auf der Stelle wieder aus dem Topf heraus. Dabei hat er sich vielleicht ein paar kleine Verbrühungen zugezogen, aber die sind bald überwunden; er lebt fröhlich weiter!
Wenn man aber einen Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser steckt und dann anschließend das Wasser ganz langsam erhitzt, bleibt der Frosch im Kochtopf sitzen. Er bleibt sitzen und sitzen und sitzen (=Anpassung) … bis er im heißen, kochenden Wasser umkommt!
Und die Moral von der Geschichte? Anpassungsprozesse sind bei angenehmen Temperaturen prima. Ab einem bestimmten Punkt kann es aber lebenswichtig sein, den Nutzen einer umfassenden Veränderung zu erkennen. Es wird nicht immer hingeschaut, ob das, was in unserer Umgebung passiert, das was die Anderen machen, auch wirklich zu uns, zu unserem Geschäftsmodell passt.
Damit sind wir bei der dritten Kategorie:
3. Antizipation (Strategischer Prozess)
Antizipation ist die Bewegung weg von einer Haltung des „ich weiß“ hin zu einer Haltung „ich lerne“. Wenn Sie ihr Leben auf Automatik geschaltet haben, sind Sie schlichtweg nicht in der Lage, zu Antizipieren.
Peter Drucker sagt: “Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen ist, sie zu erschaffen.”
Eine gute Voraussetzung hierfür ist die Fähigkeit, mit Paradoxie und Zweideutigkeit umgehen zu können: Gleichzeitig in der Lage zu sein, auf Basis von gesichertem Wissen zu Handeln und parallel offen dafür, etwas gänzlich Neues zu Lernen … das ist eine sehr gute Mischung, wenn Sie mit Change Management zu tun haben.
Fazit:
Also was nützt es, Veränderungen so zu betrachten? In einem Changeprozess ist es wichtig zu erkennen, wie Gruppen oder Einzelne mit dem Wandel umgehen. Dadurch wird es einfacher für Sie, den “Faktor Mensch” im Change einzuschätzen und Ihre Entscheidungen entsprechend zu treffen.
Manche Menschen sind einfach so, dass sie sich an Entwicklungen anpassen, häufig ohne zu reflektieren. Andere brauchen einen Schock, um überhaupt einen Schritt zu tun. Und wieder andere antizipieren Entwicklungen und sind Gestalter der Zukunft.